richard van schoor

 

ORATORIO

 

01. Lamento

erniedrigt, kriechend

die knie, die finger

bohrend

in dieser harten erde suchend

 

undurchdringlich, abweisend,

geschundenes fleisch,

zermahlen die knochen,

zum erdulden bestimmt

 

nimm mich auf

karges, verödetes gestein

lass mich eins mit dir werden

lehre mich dein unvermögen

von schmerz und leid beeindruckt zu sein!

 

Barrabas!

 

o herr, das dröhnen, ein geschrei,

das höllenspektakel deines verscheidens

immerwährend

in unserm wesen haftend

 

der mutter schmerz ist fahl dagegen

ihr schrei betäubend still

in ohnmacht bleibt sie stehen

sie schweigt, sie ruht,

sie liebt

02. Secco Rezitativo

03. Eine Mutter

ich kann nicht länger schweigen

das leid, die schand'

des zwangs

 

und ob, und was ich glaube?

einträchtig die natur,

nur der mensch ganz angstbefangen

 

ich schreie wut und trauer

vergebens alle tode,

der mensch im rausch des seins

 

das kind, der mann,

das dorf zerhackt,

sie glaubten alle falsch

04. Gespalten

falsch, recht,

recht, nein,

ja, doch, für uns,

wegen dir,

schuld, blut, schmerz,

maria, herr, gott, kind,

tod,

licht, hell,

rettung,

 

nein, verdammnis,

wie, ich, wer?

wir alle!

gericht?

ja, jüngstes,

nochmals schuld,

nicht genug

 

abend, mahl,

denen?

nein uns

leib symbol?

nein,

tatsächlich leib,

nicht doch?

doch!

 

dann nicht zusammen,

getrennt,

streit

klein

eng

ich

 

in ruhe möchte ich denken

mein kopf sich leer und leicht,

dem herz verbunden zeigen

 

das wissen?

 

die liebe reicht,

für heute, morgen,

ewig da

07. Secco Rezitativo

05. Secco Rezitativo

06. nach Psalm 22 und 88

mein gott, mein gott, warum hast du uns verlassen?

wir schreien, aber unsere hilfe ist ferne.

sei nicht ferne, denn angst ist nahe.

unsere herzen wie wachs zerschmolzen,

du legst uns in des todes staub

errette unsere seelen,

unser leben von den hunden.

 

 

 

aber ich schreie zu dir, herr

warum verstößt du meine seele,

verbirgst dein antlitz vor mir?

ich bin elend und dem tode nahe.

dein grimm geht über mich,

deine schrecken vernichten mich,

umgeben mich wie fluten.

08. Töten

09. Gedenkmauer

mein wissen -

das fesselt mich

mein glaube -

den schütze ich, halt ihn fest

 

wenn gott

die liebe

ist,

bin ich

es auch, auch ich?

 

nicht die menschen

menschen töten,

töte das was du

zu wissen glaubst

 

was ich weiß,

was ich bin,

das ist nicht immer eins

 

sei die liebe

sei dein glaube

schütze nichts, halt nichts fest

 

nicht die menschen

menschen töten,

töte das was du

zu wissen glaubst

 

durch die menschen spricht er zu uns

wenn sie sterben, sterben wir,

wenn wir sterben, stirbt auch er

10. Epilog

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